Hast du dich schon einmal gefragt, welche Auswirkungen die neuen Medien wie Computer, Internet, Smartphone usw. eigentlich auf die Kinder heutzutage haben? Was hat sich in den letzten Jahren mit dem Aufkommen der digitalen Technologien alles verändert? Lies weiter, wenn du wissen möchtest, wie der technische Fortschritt sich auf das Leseverhalten von Kindern auswirken kann.

Analog vs. Digital

In früheren Generationen haben Kinder viel Zeit damit verbracht zu lesen. Das trainierte die Aufmerksamkeit, die Fantasie und das Gedächtnis und bot nur wenig Ablenkung. Heutzutage dagegen wachsen Kinder mit dem Benutzen von digitalen Geräten, wie z.B. Fernseher und Internet auf. Dabei ist Ablenkung die Norm, ununterbrochene Aufmerksamkeit unmöglich und Fantasie schlichtweg nicht notwendig, da den Kindern die Bilder schon vorgegeben werden (Taylor, 2012).

Nicholas Carr (in Taylor, 2012) stellte fest, dass Lesen unser Gehirn dazu anregt, konzentriert und fantasievoll zu arbeiten, während die Nutzung des Internets hingegen unsere Fähigkeit zum schnellen und wirkungsvollen Scannen von Informationen unterstützt. Hier stellt sich die Frage, ob ersteres das Bessere ist, oder ob sich mit dem technischen Wandel unserer Zeit auch die Standards zum Aufnehmen von Informationen verändern werden.

Die Vorteile von Büchern, dem Vorlesen und Lesen bei der Entwicklung von Kindern

Es gibt viele Gründe, warum das Lesen von Büchern eine so große Rolle bei der Entwicklung eines Kindes spielt: Geschichten zu hören stimuliert die Fantasie des Kindes, unterstützt die Entwicklung von wichtigen sozialen- und sprachlichen Fähigkeiten und bereitet das Kind darauf vor, das geschriebene Wort zu verstehen (Cullinan and Bagert, 2008).
Das Vorlesen kann auch die Bindung zwischen Eltern und Kind stärken. Es gibt Eltern die Möglichkeit dem Kind Abenteuer und Erfahrungen innerhalb der sicheren Welt einer Geschichte zu vermitteln. Zudem überlassen Bücher es dem Leser, zu entscheiden in welchem Tempo er die Informationen erhalten will. Das ist ein sehr wichtiger Punkt für Kinder, da sie oftmals mehr Zeit zum Lernen und Verstehen brauchen.

Von Stockar (2006) zeigt auf, dass die Geschichte eines Buches für Kinder wie ein Spiegel funktionieren kann, in dem ihre Gefühle und Konflikte reflektiert werden, wie zum Beispiel Einsamkeit, Angst, Eifersucht sowie das Bedürfnis nach Liebe und Akzeptanz. Bücher bieten dabei fiktive Möglichkeiten und Lösungen, die Kinder in ihr Leben integrieren können.

Nach einer Studie von Pearson (2014) schneiden Kinder, die gerne lesen generell besser in Lesetests ab, als Kinder die das nicht tun. Regelmäßiges Lesen erweitert außerdem die Aufmerksamkeitsspanne, erhöht das Allgemeinwissen und ein besseres Verständnis anderer Kulturen. Bali Rai (in Pearson, 2014) erklärte es so:

„Zum Vergnügen zu lesen ist der größte Erfolgsfaktor für das spätere Leben, nach der Schulausbildung. Studie um Studie hat gezeigt, dass Kinder, die gerne lesen diejenigen sind, die am ehesten ihre Ziele erreichen. Wenn dein Kind liest, wird es erfolgreich – so einfach ist das.“

Technik erhält Einzug in die Kinderzimmer

In unserem digitalen Zeitalter ist fast jedes Kind täglich von technischen Geräten umgeben. Diese Kinder werden auch „Digital Natives“ genannt, weil sie zu einem Zeitpunkt geboren wurden, an dem digitale Technologien in unserem Leben auftauchten bzw. schon alltäglich waren. Sie alle haben Zugang zu digitalen Geräten und auch die Fähigkeiten diese zu benutzen. 

Digital Natives sind immer connected. Sie haben ein anderes Verständnis für Privatsphäre und Freundschaft – da sie eine Menge Informationen online teilen und viele Freunde in der realen und der virtuellen Welt haben. Sie sind multitaskingfähig, sind umgeben von visuellen Reizen, leicht ablenkbar und sammeln Informationen auf andere Art und Weise als frühere Generationen (Palfrey and Gasser, 2008). Aber hat das Auswirkungen auf die Entwicklung anderer wichtiger Fähigkeiten?

Die Auswirkungen der Technik

Die AVG Internet Security Company (AVG, 2014) hat 2014 eine Studie über die Effekte der Technik auf die Kindheit durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie besagen, dass 66% der 3-5-jährigen Kinder ein einfaches Online Spiel spielen können und 47% wissen, wie man ein Smartphone oder Tablet bedient, während nur 25% wüssten, was in einem Notfall zu tun wäre und nur 14% ihre Schuhe selbst zubinden können.

Auch Williamson (2012) erklärt, dass Kinder, die viel fernsehen, im Internet surfen oder Videospiele spielen dazu tendieren, schlechtere Ergebnisse in der Schule zu erzielen. Der Grund dafür ist, dass das Gehirn Dopamin (das Glückshormon) ausschüttet, wenn Kinder fernsehen oder Videospiele spielen. Zu viel Zeit vor dem Bildschirm stumpft die Kinder regelrecht ab und sie können sich nicht mehr auf etwas konzentrieren, das nicht die gleichen extremen visuellen Reize hat, wie z.B. auf das Lesen eines Buches.

Das Leseverhalten der Digital Natives

Natürlich hat sich mit dieser technologischen Entwicklung auch das Leseverhalten in den letzten Jahren stark verändert. Laut einer Umfrage von Statista (2015) zur Nutzungshäufigkeit von Büchern durch Kinder in Deutschland 2014, lesen durchschnittlich nur noch 16% der Kinder jeden Tag ein gedrucktes Buch, doch immerhin 40% der Mädchen und 29% der Jungen geben an, einmal oder sogar mehrmals in der Woche ein gedrucktes Buch zu lesen.

Viele Eltern glauben, dass die digitalen Medien ihre Kinder von den Büchern fernhalten. Sie glauben wir erziehen eine Generation, die den Wert der Literatur nicht mehr zu schätzen weiß. Ich bin da anderer Meinung. Es sind nicht die digitalen Medien an sich, die Kinder vom Lesen abhalten.
Denn wer bringt den Kindern denn ein gesundes Leseverhalten und eine ausgeglichene Mediennutzung bei? Ihre Eltern und ihr enges Umfeld natürlich. Aber es scheint, als ob die meisten Eltern heute selbst keine Zeit mehr finden, Bücher zu lesen, da sie viel zu gestresst sind. Dabei sind Eltern die größten Vorbilder für ihre Kinder und wenn diese ihre Eltern nicht dabei sehen, wie sie ein Buch lesen, warum sollten Kinder dann daran interessiert sein?
Das was die meisten Kinder bei ihren Eltern sehen ist die ständige Nutzung von Smartphone, Tablet, Computer und Fernseher. Kein Wunder also, dass sie selbst schon von klein auf diese Medien ständig nutzen.

Vorteile der Mediennutzung

Jim Taylor (2012) schreibt in seinem Artikel bei Psychology Today, dass die Technik nicht nur schlecht ist. Die Allgegenwärtigkeit von Suchmaschinen im Internet befähigt Kinder z.B. dazu, sich zu merken, wo sie die gewünschten Informationen herbekommen, im Gegensatz zum Abspeichern der Information an sich. Taylor glaubt, dass das ein Vorteil sein kann, denn wenn man die Informationen nicht mehr im Gehirn abspeichern muss, kann das Gehirn vielleicht in Bezug auf Reflexion, Problemlösung und kritisches Denken auf einer höheren Stufe arbeiten.
Außerdem zeigen auch verschiedene Studien, dass Videospiele und andere neue Medien die visuell-räumliche Wahrnehmung verbessern können, die Reaktionszeit erhöhen und die Fähigkeit, Details im Chaos zu erkennen erweitern können. Deshalb macht diese neue Entwicklung die Kinder nicht dumm, es macht sie einfach nur anders als frühere Generationen es waren.

Warum selbst Steve Jobs die Mediennutzung seiner Kinder eingeschränkt hat

Wenn es um die Beurteilung der Frage zur Mediennutzung der Kinder geht, sollte man vielleicht noch bedenken, dass selbst Steve Jobs die Mediennutzung seiner Kinder stark eingeschränkt hat und auch andere Gründer von großen Technik-Firmen diesen Weg gehen. Aber warum? Was wissen sie, was wir nicht wissen?

Der CEO von 3D Robotics, Chris Anderson, Vater von fünf Kindern, erklärt: “Wir haben die Gefahren von Technik selbst gesehen und wollen nicht, dass unseren Kindern das widerfährt.” Beispiele für die Gefahren, auf die er sich bezieht sind: schädliche Inhalte, wie z.B. Pornografie, (Cyber-)Mobbing durch andere Kinder und natürlich auch, von den Geräten abhängig zu werden. Wenn du den Artikel selbst lesen möchtest, kannst du das (auf Englisch) hier tun: NY-Times Artikel Steve Jobs

Ich persönlich glaube, dass man Medien wie Tablet, Computer und Fernseher (ab einem gewissen Alter) nicht gänzlich von Kindern fernhalten kann und sollte, denn ein gewisses technisches Verständnis ist heutzutage einfach wichtig. Doch Eltern sollten ihren Kindern eine verantwortungsbewusste Nutzung dieser Medien beibringen und sich Gedanken darüber machen, welche Auswirkungen die extreme Nutzung von Smartphone, Tablet & Co auf die Entwicklung ihrer Kinder haben können.

Schlussgedanken

Ich persönlich glaube, dass man Medien wie Tablet, Computer und Fernseher (ab einem gewissen Alter) nicht gänzlich von Kindern fernhalten kann und auch nicht sollte, denn ein gewisses technisches Verständnis ist heutzutage einfach wichtig. Doch Eltern sollten ihren Kindern eine verantwortungsbewusste Nutzung dieser Medien beibringen und sich Gedanken darüber machen, welche Auswirkung die extreme Nutzung von Smartphone, Tablet & Co auf die Entwicklung ihrer Kinder haben kann.

Referenzen: